Schreibend dem Frühling begegnen Teil 2 (Ein Liebesgedicht an den Frühling)

Heute beenden wir den Frühlingskurs. Was liegt da näher, als dem Frühling ein Liebesgedicht zu schreiben?

Schreibimpuls 1

Sammle 10 Minuten lang positive Begriffe, die den Frühling ausmachen. Schreibe Nomen, Adjektive und Verben auf.

Schreibimpuls 2

Schreibe dem Frühling ein Liebesgedicht! Als Vorlage zur Nachgestaltung soll das Gedicht „ An Anna Blume“ von Kurt Schwitters dienen. Eine Version dieses Gedichtes verbreitete Schwitters als Werbung für seinen Gedichtband an den Litfaßsäulen in Hannover. Das analoge Schreiben eines Gedichtes kann recht anspruchsvoll sein, besonders wenn es den Rahmen herkömmlicher Gedichte sprengt  und höchst ungewohnte, unkonventionelle Bilder benutzt, so wie es kennzeichnend für dadaistische Kunst ist.

Es gilt, genau zu überlegen, was man unverändert übernehmen möchte (z.B. die 2. Zeile?), was aber dem Frühling angepasst werden muss. Was also wird aus der Zeile „Du trägst den Hut auf deinen Füßen…“? Vielleicht wachsen Veilchen auf den Baumkronen?

 Viel Spaß beim „Schwittern“ !

Das Gedicht:

O du, Geliebte meiner siebenundzwanzig Sinne, ich liebe
dir! – Du deiner dich dir, ich dir, du mir. – Wir?
Das gehört (beiläufig) nicht hierher.
Wer bist du, ungezähltes Frauenzimmer? Du bist – – bist
du? – Die Leute sagen, du wärest, – laß sie sagen, sie wissen
nicht, wie der Kirchturm steht.
Du trägst den Hut auf deinen Füßen und wanderst auf die
Hände, auf den Händen wanderst du.
Hallo, deine roten Kleider, in weiße Falten zersägt. Rot
liebe ich Anna Blume, rot liebe ich dir! – Du deiner dich dir,
ich dir, du mir. – Wir?
Das gehört [beiläufig] in die kalte Glut.
Rote Blume, rote Anna Blume, wie sagen die Leute?
Preisfrage:  1. Anna Blume hat ein Vogel.
                   2. Anna Blume ist rot.
                   3. Welche Farbe hat der Vogel
Blau ist die Farbe deines gelben Haares.
Rot ist das Girren deines grünen Vogels.
Du schlichtes Mädchen im Alltagskleid, du liebes grünes
Tier, ich liebe dir! – Du deiner dich dir, ich dir, du mir, –
Wir?
Das gehört [beiläufig] in die Glutenkiste.
Anna Blume! Anna, a-n-n-a, ich träufle deinen Namen. 
Dein Name tropft wie weiches Rindertalg.
Weißt du es Anna, weißt du es schon?
Man kann dich auch von hinten lesen, und du, du 
Herrlichste von allen, du bist von hinten wie von vorne:
“a – n – n – a”.
Rindertalg träufelt streicheln über meinen Rücken.
Anna Blume, du tropfes Tier, ich liebe dir!

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