Schreibend dem Frühling begegnen Teil 2 (Warten, warten, warten,…)

Mir scheint, dass es im Moment eine Grundstimmung gibt, die bei vielen Menschen anzutreffen ist und die der Schweizer Walter Fürst als „hochsensibles Tiefenerlebnis“ beschrieben hat: das Warten. Wir warten auf den Frühling, auf das Ende des Lockdowns, auf die Impfung, auf die Rückkehr der Normalität, auf den Urlaub, auf den negativen Test, auf die unmaskierte Begegnung, auf….

Schreibimpuls 1

Worauf genau wartest du? Schreibe 5 Minuten lang Sätze, die alle mit „Ich warte…“ beginnen.

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Der lyrische Schreibprozess vollzieht sich in mehreren Phasen, von der Inspiration über die Schreibarbeit und der Überarbeitung bis hin zur Verifikation. Auf eine Schreibidee kann man warten, man kann sich aber auch durch das Lesen von Gedichten, durch die Beobachtung von Natur und Umwelt, durch Musik, Fotos, Bilder und Träume inspirieren lassen. Nach der Inspiration erfolgt die Schreibarbeit, wobei zunächst assoziativ, im Sinne des Freewriting oder des Clusterns (vergl. dazu „Schreibend ins neue Jahr“ Tag 6) geschrieben wird.

Greifen wir auf das heute vorgeschlagene Thema „warten“ zurück. Dann hat sich die zweite Phase schon vollzogen, indem du die Sätze mit „Ich warte…“ notiert hast. Nun schließt sich die nächste Phase an, die Überarbeitung. Das kann durch  verschiedene Techniken geschehen, z.B. durch Kürzung von Sätzen, Reduktion von Personen und Gegenständen auf wesentliche Details, Personifizierung, Wortneuschöpfungen, Vergleiche, Metaphern oder durch die Orientierung an einer vorgegebenen Form.

Schreibimpuls 2

Lass dich vom heutigen Warm-up inspirieren. Wähle das Thema „Warten“, „Frühling“ oder ein anderes, das dich gerade beschäftigt. Gestalte dann ein 5-zeiliges Gedicht, bei dem 4 Zeilen mit dem gleichen Wort anfangen, in der letzten Zeile wird dann eine Veränderung vorgenommen.

Hier ein Beispiel (allerdings mit nur 4 Zeilen) aus der Dreigroschenoper von Brecht:

Ja, da kann man sich doch nur hinlegen,

 Ja, da muss man kalt und herzlos sein.

Ja, da könnte so viel geschehen.

Ach, da gibt’s überhaupt nur: nein!

Die Wiederholung eines Wortes oder eines Satzteiles zu Beginn eines Verses nennt man Anapher, ein beliebtes und häufig angewandtes Stilmittel in der Literatur.

Beende deinen lyrischen Schreibprozess, indem du dir dein Gedicht laut vorliest. Überprüfe Klang und Stimmigkeit. Vielleicht findet dein Gedicht auch den Weg in die Außenwelt!?

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