Schreibend dem Frühling begegnen Teil 2 „Frühlingsglaube“

Heute, am 20. März, ist Frühlingsanfang und morgen ist Welttag der Lyrik. Also lasst uns Gedichte lesen und schreiben!

Möchtest du Gedichte schreiben, solltest du viele Gedichte lesen und dich zunächst im Schreiben kurzer Gedichte üben, bis du die kurze Form als Struktur im Innern gespeichert hast. Die Form allein schafft jedoch keine Kunst, sie muss mit Leben gefüllt werden. Dieses Leben vollzieht sich im Augenblick, da du deine Gedanken und Gefühle zu Papier bringst.

Zur Wirkung, die das Scheiben – nicht nur von Gedichten – hat, sagt Natalie Goldberg: „… die Fähigkeit, Ihre Gefühle mit den Worten, die Sie schreiben, in Einklang zu bringen, befreit Sie, weil Sie sich plötzlich nicht mehr damit in Ihrem Inneren auseinandersetzen müssen.“ Und sie hat für alle Schreibenden den guten Rat: „Verwenden Sie Details. Sie sind die Grundeinheit des Schreibens.“ (Aus: Schreiben in Cafés)

Ich möchte dir in den folgenden Tagen einige lyrische Kurzformen vorstellen, die insbesondere geeignet sind, um sich im Schreiben von kurzen Formen auszuprobieren und zu üben. Der Schwerpunkt liegt dabei im spielerischen Umgang mit Sprache. Thematisch bleiben wir beim Frühling, der ja mit Neubeginn, Hoffnung und Veränderung assoziiert wird und damit ein weites Spektrum an Themen eröffnet. Im Sinne des Kreativen Schreibens ermuntere ich aber immer dazu, auf die eigene Stimme zu hören, den sich einstellenden eigenen Impulsen zu folgen.

Jede Einheit beginnt mit einem Warm-up, darauf folgt der zweite Schreibimpuls, der zum Ausprobieren einer lyrischen Kurzform auffordert.

Schreibimpuls 1:

Sammle zusammengesetzte Nomen mit „Frühling(s)“. Lege dir eine Liste an, vielleicht kannst du später darauf zurückgreifen!

Schreibimpuls 2:

Lies das Gedicht „Frühlingsglaube“ von Ludwig Uhland, am besten mehrmals und laut. Das Reimschema ist einfach: aabccb.

Schreibe ein kurzes Gedicht mit 6 Zeilen, das mit dem Vers endet: Nun muss sich alles, alles wenden

Wähle eine eigene Überschrift, eventuell aus deiner Liste oder übernimm die Überschrift „Frühlingsglaube“.  Du kannst reimen und dem Reimschema folgen oder eine freie Form wählen.

Frühlingsglaube
   
   Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muss sich alles, alles wenden.
 
   Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiss der Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.

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