Schreiben über den Tellerrand (9)

Station 9 Japan: HAIKU

Verweilen wir noch ein wenig in Asien und lernen die wohl kürzeste Gedichtform der Welt kennen: das HAIKU. Das aus Japan stammende Gedicht besteht aus drei Zeilen, auf die sich im Deutschen 17 Silben wie folgt verteilen: Fünf Silben in der ersten Zeile, sieben in der zweiten und wieder fünf Silben in der dritten Zeile. Einen Reim gibt es im Haiku nicht. Nun ist es so, dass unsere Sprechsilben nicht gleichzusetzen sind mit den japanischen Silben (=Moren), so entsprechen 17 Moren etwa 10-14 Silben in der deutschen Sprache. Dennoch ist es im deutschsprachigen Dichter-Raum üblich, die Silbenstruktur 5-7-5 zu verwenden, auch wenn in modernen Haiku-Schulen die Dichter (Haijin) sowohl von der strengen Formvorgabe als auch den inhaltlichen Vorgaben abweichen. Traditionell zeichnet sich ein Haiku inhaltlich durch die Darstellung eines Alltagsgeschehen aus, das genau beobachtet und fokussiert auf ein Detail beschrieben wird. So verbleibt es immer im Gegenwärtigen. Beliebt sind auch die Natur-Haikus und hier wiederum die poetische Darstellung der Jahreszeiten. Gefühle hingegen finden kaum Platz in einem Haiku.

Ein Beispiel:

Allererster Schnee –

aufgeklart, doch immer noch

Bambusregen tropft.

(Ushihiko)

Schreibimpuls 9

Geh hinaus in die Natur! In diesen Tagen zeigt sie sich uns in einem winterlichen Gewand, wie wir es seit Jahren (oder sind es Jahrzehnte?) nicht gesehen haben. Halte dieses Gegenwärtige und so leicht Vergängliche fest, indem du dir zunächst Notizen über deine Beobachtungen machst. Und dann heißt es wieder: Silben zählen – und zum Haiku-Dichter werden!

Viel Freude dabei!

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